KI und Journalismus: Wie Medien für Vertrauen im Fake-Zeitalter sorgen

Berlin (16. Juli): KI-Experte David Fischer hat eine Diskussionsrunde in der Landesvertretung BW zu künstlicher Intelligenz und Journalismus moderiert.

Es ging um die Rolle künstlicher Intelligenz im Journalismus: Bei der Diskussionsrunde in der Landesvertretung Baden-Württemberg sprachen Rudi Hoogvliet, Staatssekretär für Medienpolitik Baden-Württemberg, Sarah Stein, Head of Search Experience beim SWR, und Meinolf Ellers, Geschäftsführer der dpa-Tochter #UseTheNews darüber, wie Redaktionen mit KI Brücken zur Gesellschaft bauen können.

Die Leitfrage der Veranstaltung: Wie kann Journalismus mithilfe von Technologie Brücken in der Gesellschaft bauen? Die Diskutanten entwickelten drei Ansatzpunkte: Bürgernahe Redaktionen sollen die Sender-Empfänger-Haltung aufgeben und stärker auf Dialog setzen. Künstliche Intelligenz kann Redaktionen dabei helfen zu verstehen, was Menschen interessiert – von Website-Analysen bis zu Sprachmodell-Abfragen.

Selbstwirksame Beteiligung entsteht dort, wo Menschen im eigenen Umfeld konkrete Veränderungen bewirken können – in der Stadt, im Landkreis, in der Nachbarschaft. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss seine Rolle als Vermittler für Debatten neu definieren und als Anwalt des Gesprächs zwischen Journalismus und Bürgern agieren.

Faktenkasten: Vertrauenskrise in Medien und Politik – Zahlen aus der Zuversichtsstudie

Das Projekt Zuversicht von #UseTheNews, rheingold salon und Initiative 18 zeigt das Ausmaß der Vertrauenskrise: Nur 9 Prozent der Menschen schöpfen Zuversicht aus Staat und Medien. 78 Prozent stimmen der Aussage zu: „Wir fahren das Land vor die Wand, wenn wir weiter so machen wie bisher.“ 67 Prozent fühlen sich von System und Politik alleingelassen. Die wirtschaftliche und politische Gesamtlage wird schlecht beurteilt. Der Vertrauensverlust in Institutionen führt zu einem Rückzug in das persönliche familiäre Umfeld.

Faktenkasten: KI-Desinformation im Bundestagswahlkampf

Das World Economic Forum stuft in einem Bericht von 2025 Desinformation als größte Gefahr weltweit ein. 59 Prozent der Deutschen halten den Einsatz von KI in politischen Kampagnen für gefährlich. Im Bundestagswahlkampf stammten 44 Prozent der KI-generierten Social Media Posts von rechtsextremen Parteien. Gleichzeitig nehmen 60 Prozent der Menschen KI-Wahlwerbung nicht wahr. Die wenigsten bemerken KI-manipulierte Inhalte auf Social Media, was die Gefahr für demokratische Prozesse erhöht.

Faktenkasten: Politechathon – Lösungen gegen Desinformation

Im Dezember 2024 fand in der Landesvertretung Baden-Württemberg beim Bund der erste Hackathon gegen Desinformation statt – gemeinsam organisiert von Politagents, der Baden-Württemberg Stiftung und der Landesvertretung. Über 100 Experten entwickelten in 36 Stunden funktionierende Programme: eine Dating-App für die Kommunalwahl, einen verbesserten Wahl-O-Mat, ein modifiziertes ChatGPT für Wahlprogramme und eine Website zur Erkennung KI-generierter Inhalte. Zwei echte Startups gingen aus dem Event hervor, darunter der CampaignTracker, der die Bundestagswahl analysierte und bei Neo Magazin Royale als Analyst auftrat.

David Fischer
David Fischer
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